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Der MedienSchamane - Katalysator für Heilung und Wandel

By: Pyromania Arts Foundation
Gepostet am 09.05.2012 in Gesellschaft, Artikel

Ein Gespräch mit dem Medienschamanen Boris Hiesserer

"Die Zeit ist reif für eine Fusion der schamanischen Wege des Wissens (die biologischen Organismen den Vorrang geben und einen Sinn für das Heilige beinhalten) mit dem Staatswesen und seinen technologischen Errungenschaften, denn momentan herrscht Entfremdung auf individueller, nationaler und globaler Ebene!"

Häufige Fragen zum Medienschamanismus und Antworten eines Langzeit-Praktizierenden. Jürgen Heilig im Gespräch mit Boris Hießerer.

Frage: Sag uns doch etwas dazu, wie der ungewöhnliche Begriff Medien-Schamanismus entstanden ist, da dieser sich aus Archaischem und Hochmodernem zusammensetzt.

Antwort: Der Begriff ist aus der Erkenntnis heraus entstanden, das die archaischen Trancetechniken und deren magischen Wirkgesetze bereits Mittel waren, Wirklichkeit zu designen und zu manifestieren – eben so wie es die modernen Medien tun. Heute besteht der Ansatz darin, die Symbiose zwischen diesen beiden unser Bewusstsein beeinflussenden Techniken be-wusst zu machen. Die Techniken der Trance, magisches Denken, Bewusstseinsforschung, (De-) Programmierung, die angewandt werden wollen, um der Ermächtigung des Individuums zu dienen.

F: Kannst du noch etwas genauer auf die Geschichte des Begriffs eingehen ?


A: Der Ausdruck Medienschamanen fand um 1983 in einem regelmäßig geführten Briefwechsel zwischen dem Avandgarde Musiker G.P. Orridge und mir und weiteren Aktivisten aus inneren T.O.P.Y.-Kreisen Verwendung. Dann in den neuziger Jahren trug die Pyromania Arts Foundation dieses "Meme" international durch die Rave Kultur; den Cybertribe ... und nun nach der Jahrtausendwende, ist es die globale Cyberculture, die mit dem Begriff operieren kann, auf der Suche nach einem Modell der Selbst-reflexion. Ich denke, dass Medienschamanismus dafür sehr hilfreich sein wird.

F: Für Leser ist es sicherlich interessant, kurz zu umreißen, wie sich die heutige Ausprägung der ganzen Sache aus deiner eigenen Sicht entwickelt hat?


A: Meiner eigenen Sictweise – es ist kaum etwas wichtiger, als die fixierte, statische Perspektive zu überwinden und in ein offeneres, transpersonales und transzendentales Weltbild umzuwandeln – einen Flow-Zustand – von diesem Gesichtspunkt aus hat sich das T.O.P.Y. Netzwerk ab 1982 als “Tempel der übersinnlichen Jugend” formiert. Das von Genesis P. Orridge und Freunden ins Leben gerufene Bandprojekt Psychick T.V., wurde von Warner unter Vertrag genommen und erhielt, für eine noch-nicht-produzierte Schallplatte, die größte Abfindung, seit der Punk Band The Sex Pistols. Psychick TV fungierte als “Propaganda-Arm” der T.O.P.Y.-Netzwerks, über das wir Tips  und Tricks zur Sexualmagie, Meditation, Ritualen, Tribal Piercings, Tattoos, Klamotten und Haarschnitten mit-ein-ander teilten. Von außen als "Kult" betrachtet entwickelte TOPY sich zu einem weltumspannenden Netzwerkgebilde. Unser gesamtes Netz aus Fax-, Anrufbeantworter- und Kopier-Maschinen wurde in Douglas Rushkoff’s Buch "Cyberia" als "komplizierte Metapher für das postmoderne Gehirn von Gaia" bezeichnet. Zu Beginn der 80er wollten wir in England nachts ein alternatives Fernsehprogramm senden, um gegen die Programmierung anzugehen, die von Thatcher und dem Staat ausgingen. Als wir merkten, daß das nicht so einfach ist, haben wir uns auf die Bühnen-Choreographie Psychick TV's konzentriert, mit Diaprojektoren, Monitorpyramiden, Videostreams und so weiter. 1988 importierte Psychic TV das "Acid House” Genre nach Europa. Das weltweite Netzwerk-System wurde zur Geburtskammer des Technoheidentums und brachte u.a. die "Psychick Warriors Of Gaia” auf den Weg – den ersten elektronischen Trance Act, dessen Alben und Live-Sets die Gaia-These weltweit düber die Pop- und Dance Kultur hinaus verbreiteten.

F: Weg von diesem Gesamthintergrund. Wie erklärt man Medien-Schamanismus in einem Satz?

A: Bewusstseinserweiterung und Heilung durch Zuhilfenahme archaischer Weisheit und modernster Technologie bzw. Medientechnologie.

F: Und was haben Medien mit Bewusstsein zu tun ?

A: Das Erste, was mir in den Sinn kommt, ist Bewusstseins-Technologie, wofür die Mind- oder Brain-Mindmachines und medizinisch-therapeutische Geräte dieser Art gute Beispiele sind.

Hier von Heidelberg aus wurde der globale Markt erst mit erschaffen, durch die Vernetzung zwischen Entwicklern, Ärzten und Hospitälern und visionären Freaks. Diese interdisziplinäre, mycelhafte Verbindung hat es erst ermöglicht, dass diese Erfindung nicht für illegal erklärt oder von Firmen und Managern wie Ron Hubbards Scientology mißbraucht wurde; sein E-meter war der erste, 1959 entwickelte, elektronische Lügendetektor.Und bei dieser Technologie zeigt sich deutlich, dass unser menschliches Gehirn navigierbar ist! Es neigt dazu, sich auf umgebende Frequenzen einzuschwingen. Die Kunst dieser Technik besteht darin, die Gehirnstromaktivität zu tunen und die beiden Hemnisphären nahezu zu synchronisieren, was dazu führt, dass Medien die Kontrolle des Bewusstseinszustandes übernehmen und - in diesem Fall gestressten Business-Menschen die Möglichkeit einräumt:
1.  zu relaxen, 2.  einzuschlafen, 3.  sogar zu träumen und 4.  sanft geweckt zu werden und auf diese Weise ihre Hirnhälften und die Atmung und den Körpertempel in sich zu synchronisieren ... und all das in einer Zeitspanne von 30 Minuten. Nun stell dir vor, was Du alles anstellen könntest – ausgerüstet mit solch einem Apparat!

Fortgeschrittene Forscher wie früher McLuhan oder heute Dr. Lutz weisen darauf hin, dass  - auch beim MTV schauen - die wechselnden Punkte und Linien der Fernsehmonitor-Technologie selbst den Wechsel von der linearen linken, zur Muster-erkennenden rechten Hemnisphäre herbeiführt und unterstützt. Nicht die Kodierung, sondern die Technologie in sich ist die Nachricht, sie kreiert Mutationen – insbesondere unter Teenager Generationen, die seit den “sexuelle Freiheit” und “Bewusstsein” erforschenden Sechziger Jahren aufwuchsen, gefolgt von der LSD-getriggerten Erfindung des "Apple”-Computers und anderem.

F: Im vergangenen Jahrzehnt hast du mit Lutz Berger, dem Begründer der BrainTech-Company - einem Mindmachine Produktions- und Forschungs-Zentrum hier in Heidelberg - zusammengearbeitet. Er arbeitet doch ebenfalls an binauralen Beats ?

A: Seine Arbeit ist äußerst interessant, gesund und nützlich, in diesem Zusammenhang genannt zu werden. Funktionelle Music wie binaurale Beats und Psychoakustik sind ein weiteres Beispiel, das Wissen in Bezug auf die magischen Verbindungen von Medien und Bewusstsein zu nutzen, um das menschliche Gehirn zu steuern: um entspannter zu werden oder wenn du magst, produktiver, durch das Hören von mit speziellen Frequenzen unterlegter Musik. Aber diese Maschinen und Medien dienen nicht allein dem produktiven Konsum von Managern, die wiederum umso effizienter andere ausbeuten, noch sind sie auf den Arbeitsbereich beschränkt - es existieren noch viel wundersamere Resultate aus dieser Methode: Dr. Margeret Patterson und ihre Bemühungen um Heroinabhängige und Menschen mit Krankheiten des Metabolismus ... Prof. Jean Achterberg zum Beispiel nutzt Maschinen für die Produktion von Endorphin-fördernden Frequenzen: eine Methode, die sich in der Therapie von Verbrennungsopfern als wirksamer herausstellte als die Schmerzmitteltherapie mit Opiaten. Weiter zu Benennende sind: Robert Monroe, Michael Hutchinson oder Equinox - eine schottische Ärztegruppe. Diese Maschinen konnten süchtigen Menschen - unter ihnen Stars wie Boy George, Pete Townsend (Gitarrist von The Who) - helfen, binnen weniger Wochen vom Heroin abzulassen. Unglücklicher- bzw. typischerweise wurden solche effektive Technik von der Schulmedizin als unerwünscht unterdrückt. Denn erinnern wir uns!? Im alten Japan verdiente der Arzt kein Geld an kranken Menschen, sondern erhielt nur seinen vollen Lohn, wenn all die Ihm zugeteilten Patienten gesund waren und es auch blieben.

F: Interessanterweise können in unserer hochtechnologischen Umwelt die Wirkungen von Medien und Technik jedem schnell klar werden, indem man die eigene tägliche Verwendung des Computers oder der Kommunikationstechnik beobachtet. Ich kann McLuhans Aussagen am leichtesten verstehen, wenn ich die mentalen Auswirkungen beobachte, die es hat, daß ich Textverarbeitungsprogramme verwende, statt mit der Hand oder Schreibmaschine zu schreiben: die häufige Verwendung von Funktionen wie Copy und Paste, Delete und Recall usw. hat auf einer abstrakten Ebene den Effekt, daß die Schrift ihre “Wort-Gottes-Endgültigkeit” verloren hat und daß es da keine absolute Linearität der Zeit und auch keine absolute Kausalität der Handlungen mehr gibt, was konkret bedeutet, dass die geistige Verarbeitung assoziativer werden kann, ... synthetischer und experimenteller...

A: Ja, absolut! Ähnliche Beobachtungen konnte ich mit der Verwendung von Sound- oder Video-Loops machen, die für die Herstellung elektronischer Ambient-, Techno-, Trance- oder Rap-Musik heute überall eingesetzt werden. Mitte der Achziger wurde die unabhängige Videographie bereits als "die Fortführung des Fernsehens mit anderen Absichten" betrachtet. Die Videotechnik formte das Inventar meines tragbaren Realitätslabors, in der die Synthese zukünftiger Ausdrucksformen in Erscheinung trat. Video, hauptsächlich die experimentelle Videographie, nutzte den Fernsehbildschirm als ein Forschungsfeld für eine neue, eine metaphorische Form der Sprache. Als ich erstmals den Begriff AD(H)S, also das Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts) Syndrom bei jungen Menschen hörte, dachte ich: Super, endlich beginnt die erwachende Welt zu verstehen, das unsere Kinder und Heranwachsenden nicht genug Aufmerksamkeit erhalten! Aber das war wohl ein wenig verfrüht. Die AD(H)S-Symptome werden medikamentös behandelt, aber die Kinder leiden noch stets und zeigen uns die Wichtigkeit, eine kindgerechtere Welt zu schaffen. Auch wenn wir die pädagogischen Diskussionen in Bezug auf Neue Medien betrachten, so herrscht dort ständig Gejammer aufgrund der Tatsache, daß die kindliche Aufmerksamkeitsspanne auf 5 bis 15 Minuten gesunken ist. Dies sei ein Resultat des Konsums von Videoclips, Computerspielen und dem Internet etc. Aber die Fakten sind etwas komplexer. Wie Douglas Rushkoff in seinem Buch "Chaos Kids” beschreibt, ist dies exakt die Aufmerksamkeitsspanne, die ein Mensch heutzutage benötigt, um die Menge an Möglichkeiten und Informationen, die heute durch die Neuen Medien zugänglich geworden sind, handhaben zu können. Die Wahl des Umschaltens und Anpassens sind Wege, um dem paralysierenden Zustand des Information-Overload entgehen.

Somit transportieren Medien eben nicht nur den Virus allein, sondern interessanterweise ebenso die neuronale Gegenstrategien, (um einer Infektion zu entgehen). Wir haben anhand dieser Beispiele eine Menge von den Maschinen zu lernen: insofern, dass Maschinen und Mensch immer intelligenter werden und selbstbewusst, haben wir bereits begonnen, Partnerschaften und Symbiosen zu entwickeln - und das werden wir tun müssen! Im Reich der global beschleunigenden und virtualisierten Medien-Welt ist dies nun mal eine evolutionäre Notwendigkeit ... wenn wir als das gesamte planetare Wesen überleben wollen.

F: Und was hat es mit dem Schamanen auf sich ?

A: Nebst der Tatsache, dass diese Methoden von Sound, Rhythmus und Frequenz, über die wir sprachen, traditionell archaisch-schamanische Heilungs- und Trance-Techniken darstellen, kann ich das recht klar verdeutlichen, wenn wir die kulturell verwurzelte Rolle des Schamanen betrachten. Seine Aufgabe ist es, für eine Art Psychohygiene Sorge zu tragen, damit wir uns nicht gegenseitig durch unsere "alten Programme" anstecken und das Kollektiv zu krankhaften Verhaltensweisen anleiten. Dieser auf Geist, Ideen, Ahnenkommunikation und inneren Stimmen basierende, interne Prozess trägt, wenn er gesundend verläuft, zu einer Harmonisierung der "stammesinneren Beziehung" bei. Diese Aufgabe des traditionellen Schamanen gilt es auf die moderne Medienstruktur unserer Gemeinschaft zu übertragen, das globale Dorf, für das der MedienSchamane verantwortlich ist.

Aus dem Wissen heraus, dass die Aufgabe des Menschen darin besteht, seinen Grundbedürfnissen sowie seinem Wesen nachzukommen, indem er Frequenzen von Wahrheit, Heilung, Glück und Zufriedenheit zutage fördert. Entgegen der Sicht des konservativen Menschenbildes sind wir Menschen als höhere Affen mit Geist, obgleich unseres Tieraspekts, kein zu zähmendes Monster, das erzogen (konditioniert und geprägt) werden muß, um im sozialen Miteinander (auch mit der Natur) zu funktionieren. Konkurrenz, Lüge, Wettbewerb, Kampf oder der Zwang, besser sein zu müssen, sind heute nachweislich keine natürlich angeborenen Verhaltens-Programme mehr.
Wie all diese Ausdrucksformen von “Mangelbewußtsein” sind sie in erster Linie ein adaptierter Teil unserer modernen materialistischen Kultur; der ein falsch verstandenes "Überleben des Stärkeren" als Basis dient, statt der "Überlegenheit des Anpassungsfähigeren".

F: Und wie sieht die Umsetzung diese Modells konkret aus ?


A: Im Kombinieren bereits existenter Komponenten... der Alchemie ähnlich. Das heißt, sobald wir diese schamanische Sicht der Dinge lernen einzunehmen, bleiben wir nicht mehr an der Oberflächenfixierung stecken bleiben, denn Menschen mögen lächeln, obwohl sie traurig sind, reich gekleidet sein und arm im Geiste und Insassen der Psychiatrie, die Weisheit besitzen. Wenn wir dies durchschauen, wollen wir auch etwas dagegen tun. Konkrete Umsetzung, über das persönliche Umfeld hinaus, heißt automatisch mit "der Welt der Medien" konfrontiert zu werden. Denn nimm diese Publikation als Beispiel - ebenso erwarte ich auch von meiner Schülerzeitung, der Stadtzeitung im Radio u.s.w., dass diese Organe eigentlich dazu da sein sollten, die Gemeinschaft zu heilen und ihr wirkliche Informationen über den Zustand der Welt und sich selbst, einfach Fakten zu liefern. Während Fakten heute ein Marktprodukt geworden sind: hinter der "Information" stehen Lobbies, die für die Übertragung zahlen, die danach trachten, dass wir "informiert" werden, um uns zu programmieren, anstatt die “Frequenz der Heilung” zu verbreiten. Und genau da setzt der Weg des Medienschamanen an. Er erkennt diese Muster, Feindbilder, Angstfelder und alten Programme - derer sich unsere Eltern und deren Eltern" oftmals nicht bewusst waren.

Der Zukunft unserer Umwelt und Jugend ging durch die vorangegangenen Generationen des Industriezeitalters nicht nur eine ökonomische und ökologische Ausbeutung voran – sie wurde ebenso begleitet von einem Mangel an Bewusstsein bzgl. der Auswirkungen der von ihnen entwickelten Technik. So sorgen die von den Medien aufrecht erhaltenen Wahrnehmungsschlaufen nur all zu oft für den Erhalt längst überholter Verhaltensmuster, statt die sich selbst programmierende Jugend bzw. globale Bürgerschaft im Ausdruck eines holistischen Bewusstseins zu unterstützen.

Wenn Medien wie der Fernseher in der Gemeinschaft nun das darstellen, was früher das Lager-feuer war, an dem sich alle versammelten und wir uns unsere Geschichten zusammentrugen und mit-ein-ander getauscht haben, sollten wir dafür Sorge tragen, dass in den neuen Medien "ein Kanal" auftaucht, durch den die Geschichte gut aufbereitet und uns erklärt wird, was hier auf Erden und im Kosmos eigentlich vonstatten geht. Durch den die Vorgänge so gut erzählt werden, dass jedes Kind versteht, wie diese Darstellungen anwendbar sind - sodass jedes sogenannte "Ich" in der Gemeinschaft bemerkt, dass wir ebenfalls als ein "Wir" existieren und dass lokal nur zum Ausdruck kommt, was auf globaler Ebene geschieht. Es besteht kein Zweifel! Die Medien, das Geld, Technologie, Potential und Know-how sind bereits vorhanden - es mangelt nur noch an Bewusstsein, um - nicht über Generationen hinweg, sondern binnen weniger Jahresumläufe - grundlegende Veränderungen herbeizuführen! Und dabei wird wichtiger sein, die im Westen nahezu verloren gegangene Verbindung zur lebenden, sich mit uns wandelnden Erde wiederzufinden, als das endlose Drama menschlichen Interessedenkens fortzuführen. Um den Wandlungsprozess zu beschleunigen, gilt es jedoch, das wachzurufen, was unter, über und zwischen uns "lebt", so daß wir  Resonanz aufbauen zwischen unseren Körperzellen, dort, wo kodierte Information existiert. Denn unser Wesen ist nicht einfach auf Gehirn-Chemie, Körperzellen, Atome oder Materie zu reduzieren: der “Zwischenraum” ist fähig DNA-Licht-Information zu kodieren und zu speichern.
Lies zwischen den Zeilen! Wie Norbert Wiener es in seinem Buch "Kybernetik" zum Ausdruck brachte: "Information ist nicht Materie oder Energie. Information ist Information."

F: Du hast Psychohygiene und den praktischen, therapeutischen Effekt angesprochen. Inwiefern sind diese Dinge auf Massenmedien übertragbar?

A: In der Ethnologie nennen wir das "Tribal-bonding": die stammesinneren Beziehungen werden nicht nur geklärt, sondern zudem auch gestärkt. Die Isolation Einzelner innerhalb der menschlichen gemeinschaft gleicht einem zweiten Sündenfall, einer sich wiederholenden Vertreibung aus dem Paradies. In unserer zweiwertigen Logik ruht alles auf Weltmodellen und Weltbildern, die immer wieder und stets schneller verworfen bzw. nach-justiert werden mußten. Trotzdem schwingen die überholten Paradigmen noch in uns und unseren Erfindungen, denn sie fanden Einlaß in unseren Sprachgebrauch und in unser Denken. Daß Geschichte in Englisch "his story", also (seine) Geschichte, nicht “her-story (ihre) Geschichte”, heißt, hat einen simplen Grund. Es weist darauf hin, das unser Werkzeug Sprache, mit dem wir denken, eigentlich ein trennendes, Polarität und Dualismus, sprich Ungleichgewicht erzeugendes Werkzeug der Unterdrückung und der Kontrolle ist, ... ein Trojanisches Pferd, eine Form von Virus, das wir in unseren privatesten Raum hinein genommen haben.

Wenn wir nun die Technologie zum Partner und zum Mitstreiter im Realitäts-Labor machen, so kann nun eigentlich jedes Bild- oder Ton-Aufzeichnungsgerät zu einem externen Arbeits-Gedächtnis-speicher werden, der dich unterstützt, in kritischen Momenten weiter zu gehen, statt im bloßen Memorieren stecken zu bleiben, weil du es gesampled hast und abrufen kannst. So kannst du durch die Welt reisen, ohne deinen physischen Biocomputer mitzuschleppen, bzw. die Welt durch dich hindurch reisen lassen. Die Akzeptanz des inneren Universums führt uns zur drei- bzw. mehrwertigen Logik, zu einem kybernetischen Modell, das eine dritte Form von "Intelligenz" mit einbezieht.

F: Noch einmal zurück zur Kybernetik - welches wissenschaftliche Modell findest du noch adäquat und anwendbar in einer globalen Perspektive ?


A: Nun, Norbert Wiener fordert bereits 1934 in seinem Buch "Cybernetics", dass wir von einer dritten Instanz bzw. Intelligenz ausgehen müssen - die innere Stimme, die Engel und die Ahnen und Seelen, die sich zu uns gesellen können - und allem (Un)Möglichen, das mit der Verbannung des Animismus und der westlichen rationalen Welt verdrängt wurde. Das kybernetische Modell indes führt uns wieder in ein erhöhtes Gewahrsein in Bezug auf die lebendige, empfindsame Planetin, deren Bestandteil wir ja sind. Es eröffnet uns - wie Gaia-Hypothese und die Quantenmechanik - den Zugang zu einer Wirklichkeit, in der Materie und Geist keine getrennten Einheiten sind. Das bedeutet: in Zukunft wird die Physik sich noch mehr erweitern müssen und das grenzenlose menschliche Bewusstsein, in welchem Realität ja erst entsteht, mit einbeziehen. Und so wie wir von der klassischen Mechanik zur relativistischen und zur Quantenmechanik übergegangen sind, so versuchen wir heute eine Mechanik zu formulieren, die den menschlichen Geist als einen wesentlichen Bestandteil des ganzen physikalischen Systems darzustellen vermag. Das führt zu jener drei- oder in der Konsequenz mehrwertigen Logik, die wir ja auch in der ganz alltäglichen sozialen Interaktion erfahren können, wenn sich die dritte Intelligenz dem Ich und Du hinzugesellt (sich eine miteinander erfahrbare Reflektionsebene formt), Seelen Funken schlagen, Synchronizität in Erscheinung tritt, Gedanken und Sprache als Energie wirksam wird und die glücklicheren Momente unseres Lebens hervorruft. Alles ist ein andauernder Echtzeit-Prozess, ein Flow-Zustand (Csikszentmihalyi), der stets spannend bleibt, wenn er im Hier und Jetzt bewußt zugelassen wird und wir dieser dritten Intelligenz die Tore öffnen. C.G. Jung sagt etwas vergleichbares über Sprache: daß Symbole “Libido-Analoge” sind, die psychische Energie in eine Form bringen und “ewig erneuerndes Potential entfachen”. Jegliches metaphorisch-symbolische Denken basiert auf der Imagination und unsere Erwachsenenwelt der Ideen, Erfindungsgaben und Kreativität, ruht ebenfalls nur auf einem metaphorisch-symbolischen Boden. Falls McLuhan recht hatte und der Gebrauch von Text und Schreiben zur Linearität der Wahrnehmung geführt hat, was es nahezu unmöglich erscheinen läßt, mit dem Jenseits Kontakt aufzunehmen, wie könnte die Menschheit die Verbindung zu diesen abgetrennten (Traum-) Stadien des Bewusstseins wiederfinden?

Kurz vor seinem Tod lud der Schamanen-Wissenschaftler Terence McKenna zur “AllChemicalArts”-Conference (Hawaii, 2000) ein, auf der er sagte: “Jeder von uns nimmt die Wirklichkeit um sich herum so war, wie er/sie programmiert wurde. Würden wir es also als erforderlich betrachten, die Menschen auf diesem Planeten zu de-programmieren, ... würden wir das durch den Einsatz von Computern (Netzwerken), dem Fernsehen oder Psychedelika bewerkstelligen ... und was wären die Pros und Kontras?”, fragte er, "denn wenn wir ein völlig neues Glaubenssystem (Paradigma) errichten wollen, werden wir eine ganze Menge Menschen re-programmieren müssen.

Und es wird kein Jahrhundert dauernder Prozess sein, dies zu bewerkstelligen, so McKenna:  "Innerhalb einer Lebensspanne … sehnt sich ein kybernetisch-biologisches Wesen - die Kollektivität nicht nur des Menschen allein, sondern des gesamten Lebens auf der Erde - danach geboren zu werden. Die gesamte Welt der Materie ist die Grabstätte des Geistes, und es ist unsere Aufgabe, die kollektive Imagination aus dem Labyrinth der Materie hinaus zu geleiten, in das Reich der Imagination hinein". (Terence McKenna,1991) Womit er darauf verwies, dass die Phantasie letztlich der einzige Ort ist, an dem unsere Seele daheim ist. Die Phantasie ist "Urgrund” als auch Ziel des menschlichen Forschungsunternehmens, ... seiner seit Urzeiten andauernden Visions-Suche. Wir haben nun das Ende des von McLuhan prophezeiten Printzeitalters erreicht – dem wohl befremdlichsten Zeitalter, das die Menschheit jemals durchschritten hat. Und das Ende des linearen Tunnels der Geschichte (His story) des Patriachats , das Ende des Druckzeitalters – wirft zusehends seine Echos in unsere Gegenwart zurück und bescheert uns die ersehnten Geburtswehen, hin zu einer neuen Weltsicht; einem neuen Paradigma. Den nächstfolgenden Schritt einzuleiten hieße, jenen Strukturen Einhalt zu gebieten, welche die Psyche auf Beschränkung konditionieren oder die heranwachsenden Generationen auf Unterwürfigkeit, Wettstreit (den Turmbau zu Babel), territoriales Verhalten, Konsumartikel (den Tanz ums goldene Kalb) und Feindbilder (Blutvergießen) zu programmieren trachten.Schau um Dich und beginne die Welt, die uns in unseren städtischen Wohnungen umgibt, als wahrgewordenen Träume und Vorstellungen vorangegangener Generationen zu begreifen. Um die Visionen, Erfindungen und Entdeckungen der globalen Bürgerschaft in den Medien "hochzuladen", ist das zugrundeliegende Prinzip die Initiation. Selbst-Initiation durch Erforschung, Erweiterung und Erfahrung, Selbst-Management, -Navigation und -Ermächtigung, während die Manifestation des "Global Village - Dream Updates" voranschreitet.

Du bist das Zentrum eines Netzwerks - werde ein Medienschamane!



Nachwort:

Astronaut Neil Armstrong reflektiert seine Wahrnehmung während der Mondlandung und dem bevorstehenden ersten Schritt auf dem Mond, inmitten der ersten weltweiten live-TV Übertragung  im August 1969, ausserhalb des Apollo-Spaceshuttles (als die NASA-Funkleitung, über die er Reparaturanweisungen erhielt, für wenige Minuten zusammenbrach). Seine Wort-Gedanken bieten ein glänzendes Beispiel für einen frühen Medienschamanen:
"Wir waren dort, durch die Gnade der Gottheit (...) es war seltsam, aber ich spürte  noch etwas anderes als das, was wir visuell erfassen können. Eine geistige Präsenz war anwesend, womöglich weil so viele Menschen ihre Aufmerksamkeit auf uns ausrichteten, sie sendeten vielleicht Signale an uns ...irgendwie. Ich fühlte mich auf eine Art und Weise so, wie der erste Mensch auf der Erde sich gefühlt haben muss."

Literatur

- Susan Blackmore: The Meme Machine, 1999.                       
- William S. Burroughs: The invisible Generation, 1972
- Eric Davis: Techgnosis. Myth, magic and mysticism in the age of information, 1999
- Patrick Harpur: Daimonic Reality. A field guide to the other world, 1994
- Boris Hiesserer: Rave New World, The Tao of Technology, 2003
- Serge Kahili King: Urban Shaman, 1990                               
- Ray Kurzweil: Homo s@piens, 1999
- Timothy Leary:Chaos and Cyber-Kultur, 1997                     
- Pierre Lévy, Cyberculture, 2001
- Douglas Rushkoff: Cyberia, 1994 - Media Virus, 1994            
- T.O.P.Y. : TV Magick, Thee Video User’s Guide, 1988
- Csikszentmihalyi, Flow-psychology of optimal Experience, 1990
- Dem Sinn des Lebens Zukunft geben, 1995



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